Traversen
Beitrag vom 26.02.2026 - Patrick Dehmlein
Traversen gibt es in zahlreichen Ausführungen. Sie bilden häufig die Grundlage für die Befestigung von Lichttechnik, Tontechnik, Videotechnik und anderen Komponenten einer Veranstaltung.
Ihre großen Vorteile liegen in der modularen Bauweise, dem vergleichsweise geringen Gewicht und einer hohen Belastbarkeit. Voraussetzung ist jedoch, dass das passende Traversensystem ausgewählt, korrekt aufgebaut und ausschließlich innerhalb der zulässigen Belastungswerte verwendet wird.
Allgemeine Informationen
Traversen für die Veranstaltungstechnik bestehen überwiegend aus Aluminiumlegierungen. Der genaue Werkstoff, die Rohrdurchmesser und die Wandstärken unterscheiden sich abhängig vom Hersteller, Traversensystem und vorgesehenen Einsatzbereich.
Bei vielen verbreiteten Traversensystemen mit einem Außenmaß von ungefähr 29 bis 30 Zentimetern besitzen die Gurtrohre einen Durchmesser von 50 Millimetern. Die Wandstärke kann beispielsweise zwei oder drei Millimeter betragen. Größere Traversensysteme können wiederum andere Rohr- und Strebenabmessungen besitzen.
Entscheidend sind deshalb immer die technischen Unterlagen des Herstellers. Dort finden sich unter anderem Angaben zu:
- Material und Abmessungen
- Eigengewicht der einzelnen Elemente
- zulässigen Punkt- und Streckenlasten
- maximalen Spannweiten
- zulässigen Aufbauvarianten
- Prüfung und Ablegekriterien
Farblich sind Traversen häufig naturbelassen in Aluminium oder schwarz pulverbeschichtet erhältlich. Schwarze Traversen werden gerne eingesetzt, wenn sich die Konstruktion optisch möglichst unauffällig in ein Bühnenbild integrieren soll.
Arten von Traversen
Eine grundlegende Unterscheidung erfolgt nach der Anzahl der Gurtrohre:
- 1-Punkt-Traversen
- 2-Punkt-Traversen
- 3-Punkt-Traversen
- 4-Punkt-Traversen
Ein-Punkt-Traversen bestehen im Wesentlichen aus einem einzelnen Rohr und werden häufig für leichte dekorative Anwendungen genutzt. Zwei-Punkt-Traversen besitzen zwei parallel verlaufende Gurtrohre. Drei- und Vier-Punkt-Systeme bilden räumliche Fachwerkträger und können je nach Ausführung deutlich höhere Lasten aufnehmen.
Welche Traverse geeignet ist, hängt nicht allein von der Anzahl der Gurtrohre ab. Auch Systemhöhe, Rohrabmessungen, Spannweite, Auflagerung, Lastposition und Konstruktion der Verbindungen beeinflussen die Belastbarkeit.
Längen und Systembezeichnungen
Gerade Traversenelemente sind in unterschiedlichen Längen erhältlich. Das Angebot reicht von kurzen Ausgleichsstücken bis zu mehreren Meter langen Elementen.
Aus Systemname und Elementlänge ergibt sich häufig die Produktbezeichnung. Die genaue Benennung ist jedoch herstellerabhängig.
Ein Beispiel aus der F-Serie von Global Truss ist F34 200:
- F bezeichnet die Produktserie des Herstellers.
- 3 steht innerhalb dieser Serie für das Systemmaß von ungefähr 29 Zentimetern.
- 4 kennzeichnet eine 4-Punkt-Traverse.
- 200 bezeichnet eine Elementlänge von 200 Zentimetern.
Sonderformen
Neben geraden Elementen gibt es zahlreiche Sonderformen:
- 2-, 3-, 4- und 5-Wege-Ecken
- T-Stücke und Kreuzverbinder
- Bögen und Kreissegmente
- vollständige Traversenkreise
- Gelenke und variable Winkel
- Spezialteile und Sonderanfertigungen
Solche Elemente werden beispielsweise für Messestände, Bühnenportale, Ground-Support-Konstruktionen und dekorative Sonderformen verwendet.
Bei Ecken und Knotenpunkten darf nicht automatisch davon ausgegangen werden, dass sie dieselben Belastungswerte wie ein gerades Element besitzen. Maßgeblich sind auch hier die Herstellerunterlagen und die statische Betrachtung der gesamten Konstruktion.
Traversenverbindungen
Viele moderne Traversensysteme werden mit konischen Verbindern zusammengefügt. Eine typische Verbindung besteht aus:
- Konusverbinder
- Konusbolzen
- Sicherungssplint oder Federstecker
Der Konusverbinder wird zwischen die beiden Traversenelemente eingesetzt. Anschließend werden die Bolzen eingeschlagen und gegen unbeabsichtigtes Lösen gesichert.
Aufbau und Verbindung dürfen nur entsprechend der Montageanleitung des jeweiligen Herstellers erfolgen. Dort ist auch beschrieben, welche Verbinder, Bolzen und Sicherungselemente für das System vorgesehen sind.
Verschlissene, verbogene oder nicht korrekt passende Verbindungsteile dürfen nicht mit Gewalt montiert werden. Auch provisorische Ersatzlösungen mit ungeeigneten Schrauben oder Bolzen sind unzulässig.
Belastbarkeit und Spannweite
Die zulässige Belastung einer Traverse hängt von mehreren Faktoren ab:
- Traversentyp und Spannweite
- Anzahl und Position der Auflager oder Anschlagpunkte
- Eigengewicht der Konstruktion
- Anzahl, Gewicht und Position der angebauten Geräte
- Punktlasten und gleichmäßig verteilte Lasten
- Position von Verbindungsstellen
- Art der Konstruktion und räumliche Aussteifung
- dynamische Belastungen
Eine Traverse kann nicht unabhängig von ihrer Einbausituation mit einem einzigen maximalen Gewicht angegeben werden. Eine Last in der Mitte einer langen Spannweite wirkt beispielsweise anders als dieselbe Last direkt neben einem Auflager.
Für standardisierte Aufbauformen stellen Hersteller Belastungstabellen bereit. Komplexe Rahmen, Konstruktionen mit mehreren Auflagern, Kragarme oder Sonderformen können eine separate statische Berechnung erfordern.
Rigging und geflogene Traversen
Traversen können geflogen, also an geeigneten Anschlagpunkten aufgehängt werden. Dafür kommen abhängig von der Planung beispielsweise Rundschlingen, Stahlschlingen, Schäkel, Handkettenzüge oder Elektrokettenzüge zum Einsatz.
Dabei müssen nicht nur das Gewicht der Traverse und der Geräte, sondern auch die Kräfte an allen Anschlagpunkten berücksichtigt werden. Anschlagwinkel, ungleichmäßige Lastverteilung und horizontale Kräfte können die tatsächlich auftretenden Belastungen deutlich erhöhen.
Die Anschlagpunkte des Gebäudes oder der Konstruktion müssen für die auftretenden Lasten freigegeben sein. Eine sichtbare Hallenstrebe oder ein Stahlträger ist nicht automatisch ein zulässiger Anschlagpunkt.
Planung, Aufbau und Prüfung geflogener Traversenkonstruktionen gehören deshalb in die Hände entsprechend qualifizierter Personen.
Aufgeständerte Traversen
Alternativ können Traversen auf Bodenplatten, Stativen, Traversenliften, Towern oder vollständigen Ground-Support-Systemen aufgebaut werden.
Dabei müssen unter anderem folgende Punkte berücksichtigt werden:
- zulässige Traglast des Stativs oder Towers
- Eigengewicht der Traverse
- Position und Gewicht der angebauten Geräte
- zulässige Aufbauhöhe
- Untergrund und Standsicherheit
- notwendige Ballastierung oder Abspannung
- seitliche und dynamische Kräfte
- Windlasten bei Außenveranstaltungen
Nicht jeder Traversenlift ist für jede Traverse oder jede Art von Konstruktion geeignet. Insbesondere mehrbeinige Dach- und Rahmenkonstruktionen dürfen nur mit dafür vorgesehenen Systemen errichtet werden.
Befestigung von Geräten
Die Befestigung von Lichttechnik, Tontechnik und anderem Equipment erfolgt mit dafür geeigneten Traversenschellen.
Typische Befestigungsmittel sind:
- Half Coupler
- Trigger Clamps
- Haken und C-Haken
- Schnellspannschellen
- herstellerspezifische Traversenadapter
Die Schelle muss für den Rohrdurchmesser, die auftretende Last und den vorgesehenen Einsatzbereich geeignet sein. Auch die zulässige Belastung der Schelle und der verwendeten Schraubverbindung muss beachtet werden.
Ungeeignete Rohrschellen aus dem Sanitär- oder Baubereich dürfen nicht als Ersatz verwendet werden. Scharfe Kanten, Riffelungen oder zu kleine Auflageflächen können das Gurtrohr der Traverse beschädigen.
Geräte über Personen müssen zusätzlich entsprechend den geltenden Anforderungen gegen Herabfallen gesichert werden. Weitere Informationen hierzu finden Sie in unserem Beitrag über Safetys.
Beschädigungen und Prüfung
Traversen sollten vor und nach jedem Einsatz einer Sichtkontrolle unterzogen werden. Dabei ist besonders auf folgende Auffälligkeiten zu achten:
- Dellen oder Verformungen an Gurtrohren und Streben
- Risse oder Auffälligkeiten an Schweißnähten
- verbogene oder gelöste Streben
- beschädigte Endstücke und Verbinderaufnahmen
- stark ausgeschlagene Bolzen oder Bohrungen
- Korrosion oder ungewöhnliche Verfärbungen
- Beschädigungen durch Stürze oder unsachgemäßen Transport
Auffällige Traversenelemente müssen zunächst außer Betrieb genommen und entsprechend gekennzeichnet werden. Ob ein Element weiterverwendet, fachgerecht instand gesetzt oder endgültig abgelegt werden muss, ist anhand der Herstellerangaben und durch eine dafür qualifizierte Person zu beurteilen.
Eigenmächtiges Schweißen, Ausbeulen oder Zurückbiegen ist keine zulässige Reparatur.
Dekotraversen
Neben lasttragenden Traversensystemen werden sogenannte Dekotraversen angeboten. Diese sehen professionellen Traversen teilweise ähnlich, können jedoch für vollkommen andere Belastungen und Anwendungen ausgelegt sein.
Sie werden beispielsweise für leichte Messestände, Hintergrundkonstruktionen, Banner oder dekorative Aufbauten verwendet.
Entscheidend ist nicht allein die Bezeichnung „Dekotruss“, sondern die technische Dokumentation des konkreten Produkts. Einige Systeme dürfen definierte leichte Lasten aufnehmen, andere sind ausschließlich für dekorative Zwecke vorgesehen.
Eine Dekotraverse darf deshalb niemals anhand ihres Aussehens wie eine vollwertige Veranstaltungstraverse belastet werden. Es gelten ausschließlich die nachgewiesenen Belastungswerte und Aufbauvarianten des Herstellers.
Montage der Konusbolzen
Zum Ein- und Ausschlagen der Konusbolzen sollte ein geeigneter Hammer verwendet werden. Häufig kommen dafür Aluminium-, Kupfer- oder geeignete Kunststoffhämmer zum Einsatz.
Ein harter Stahlhammer kann Bolzen und Verbindungsteile beschädigen und sollte nur verwendet werden, wenn der Hersteller dies ausdrücklich vorsieht.
Die Bolzen sollten einheitlich und so eingesetzt werden, dass sie beim späteren Abbau gut erreichbar sind. Maßgeblich bleiben dabei die Montagehinweise des jeweiligen Herstellers.
Das Einschlagen und Lösen der Bolzen kann insbesondere in geschlossenen Räumen eine erhebliche Lautstärke verursachen. Geeigneter Gehörschutz sollte deshalb bereits beim Auf- und Abbau getragen werden.
Fazit
Traversen sind vielseitige und hoch belastbare Bauteile, wenn sie korrekt geplant und bestimmungsgemäß eingesetzt werden.
Entscheidend sind das passende Traversensystem, die Einhaltung der Belastungstabellen, zugelassene Verbindungsteile, eine sorgfältige Montage und regelmäßige Kontrollen.
Sobald Traversen geflogen, größere Konstruktionen errichtet oder Lasten über Personen angebracht werden, müssen Planung und Ausführung durch entsprechend qualifizierte Personen erfolgen.
Weitere Informationen zur Sicherung angebauter Geräte finden Sie in unserem Beitrag über Safetys.
Technik und Ablauf frühzeitig abstimmen
Wenn Sie eine Veranstaltung planen und Unterstützung bei Licht, Ton, Bühne oder Videotechnik benötigen, können wir die Anforderungen gerne gemeinsam durchgehen.
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