Safetys / Sekundärsicherungen
Beitrag vom 01.03.2026 - Patrick Dehmlein
Unter einem Safety versteht man in der Veranstaltungstechnik eine zusätzliche Sicherung, die einen Gegenstand beim Versagen seiner eigentlichen Befestigung vor dem Herabfallen schützt.
Häufig handelt es sich dabei um ein geeignetes Stahlseil mit verpressten Endverbindungen und Kauschen. Das Sicherungsseil wird am dafür vorgesehenen Sicherungspunkt des Geräts befestigt und unabhängig von der primären Befestigung mit einer tragfähigen Konstruktion verbunden.
Löst sich beispielsweise eine Traversenschelle oder eine andere primäre Befestigung, fängt das Sicherungselement das Gerät auf. Dadurch soll verhindert werden, dass Scheinwerfer, Lautsprecher oder andere Gegenstände herabfallen und Personen verletzen.
Wann wird eine Sekundärsicherung benötigt?
Ortsveränderliche Geräte, deren Sicherheit von der Montage am Einsatzort abhängt, benötigen beim Einsatz über Personen grundsätzlich eine zusätzliche Sicherung. Das betrifft beispielsweise viele Scheinwerfer, Effektgeräte, Monitore und andere an Traversen oder Halterungen montierte Gegenstände.
Auf eine zusätzliche Sicherung kann nur verzichtet werden, wenn die primäre Befestigung selbst eigensicher ausgeführt ist, nur mit Werkzeug gelöst werden kann und zuverlässig gegen Selbstlösen gesichert ist. Ob dies zutrifft, muss für das konkrete Gerät und die konkrete Befestigung technisch nachgewiesen sein.
Die einfache Annahme, eine fest angezogene Schelle werde schon halten, reicht dafür nicht aus.
Technische Grundlagen
Wichtige Grundlagen für die Auswahl und Verwendung von Sicherungselementen finden sich unter anderem in:
- DGUV Vorschrift 17 beziehungsweise DGUV Vorschrift 18
- DGUV Regel 115-002
- DGUV Information 215-313 „Lasten über Personen“
- DIN 56927 für Sicherungsseile in der Veranstaltungstechnik
- den Herstellerangaben des jeweiligen Geräts und Sicherungselements
Diese Unterlagen behandeln unter anderem die Dimensionierung, Befestigung, Verwendung, Prüfung und Ablegereife von Sicherungselementen.
Arten von Sicherungsseilen
Sicherungsseil ohne Dämpfungselement
Das klassische Sicherungsseil besteht aus einem ausreichend dimensionierten Stahlseil mit fachgerecht ausgeführten Endverbindungen. Zur Verbindung wird häufig ein passendes Schraub- oder Schnellverbindungsglied verwendet.
Welches Sicherungsseil für ein Gerät geeignet ist, hängt nicht nur vom Durchmesser des Seils ab. Entscheidend sind unter anderem:
- das Gewicht des zu sichernden Gegenstands
- die Länge des Sicherungsseils
- der mögliche Fallweg
- die Ausführung der Endverbindungen
- das verwendete Verbindungsglied
- die Belastbarkeit des Sicherungspunkts am Gerät
- die Belastbarkeit des Anschlagpunkts an der tragenden Konstruktion
Sicherungsseil mit Dämpfungselement
Eine weitere Ausführung ist das Sicherungsseil mit integriertem Dämpfungselement. Dieses kann den Fangstoß reduzieren, wenn ein Gegenstand tatsächlich in die Sekundärsicherung fällt.
Dadurch werden das Sicherungsseil, das Verbindungsglied, der Sicherungspunkt am Gerät und die tragende Konstruktion im Fehlerfall weniger stark belastet.
Ein solches Dämpfungselement ist jedoch nicht einfach nur eine beliebige Schlaufe im Seil. Es muss Bestandteil eines dafür ausgelegten und qualitätsgesichert hergestellten Sicherungsseils sein.
Das richtige Safety auswählen
Die auf einem Sicherungsseil angegebene zulässige Gerätemasse darf nicht mit einer gewöhnlichen Traglastangabe verwechselt werden. Im Absturzfall entstehen durch den Fangstoß erheblich höhere Kräfte als durch das reine Gewicht des Geräts.
Deshalb darf ein Sicherungsseil nicht allein nach dem Grundsatz ausgewählt werden: „Das Gerät wiegt zehn Kilogramm, also reicht jedes Seil für zehn Kilogramm.“
Maßgeblich sind die Kennzeichnung des Sicherungsseils, die Herstellerunterlagen und die für diesen Verwendungszweck nachgewiesene maximal zu sichernde Masse.
Der Fallweg
Ein Safety ist so anzubringen, dass möglichst kein Fallweg entsteht. Ist ein Fallweg technisch unvermeidbar, muss er so gering wie möglich gehalten werden.
Bei Geräten, die nach der Montage noch ausgerichtet werden müssen, beispielsweise bei Scheinwerfern, darf der maximale Fallweg 20 Zentimeter nicht überschreiten.
Das bedeutet nicht automatisch, dass ein Abstand von 20 Zentimetern angestrebt werden sollte. Das Sicherungsseil sollte so kurz wie praktisch möglich angebracht werden, ohne die notwendige Ausrichtung des Geräts zu behindern.
Bereits ein kurzer Fallweg kann sehr hohe dynamische Kräfte erzeugen. Ein unnötig langes Safety erhöht deshalb nicht die Sicherheit, sondern kann die auftretende Belastung erheblich vergrößern.
Der richtige Befestigungspunkt
Das Sicherungselement muss an dem vom Gerätehersteller vorgesehenen Sicherungspunkt befestigt werden. Dieser kann beispielsweise durch eine Öse, einen Bügel oder ein entsprechendes Symbol gekennzeichnet sein.
Ein gewöhnlicher Tragegriff ist nicht automatisch als Sicherungspunkt geeignet. Das Safety darf dort nur befestigt werden, wenn der Hersteller diesen Punkt ausdrücklich dafür freigegeben hat.
Auch der zweite Befestigungspunkt muss ausreichend tragfähig sein. Bei einer Traversenmontage wird das Sicherungsseil häufig unabhängig von der Geräteschelle um ein geeignetes Gurtrohr geführt oder an einem dafür vorgesehenen Punkt befestigt.
Verbindungsglieder
Zur Verbindung werden häufig geeignete Schraubglieder beziehungsweise Schnellverbindungsglieder eingesetzt. Sie müssen für den vorgesehenen Anwendungsfall ausreichend dimensioniert und gegen unbeabsichtigtes Öffnen gesichert sein.
Ein Schraubglied erfüllt seine vorgesehene Funktion nur, wenn die Verschlussschraube vollständig geschlossen und handfest angezogen wurde.
Nicht jeder handelsübliche Karabiner ist als Verbindungsglied für eine Sekundärsicherung geeignet. Entscheidend sind der technische Nachweis, eine ausreichende Bruchkraft und die Sicherung gegen Selbstlösen.
Wichtig zu beachten
- Das Safety nur am vom Hersteller vorgesehenen Sicherungspunkt des Geräts befestigen.
- Das Sicherungselement unabhängig von der primären Gerätebefestigung anbringen.
- Den Fallweg möglichst vollständig vermeiden und ansonsten so gering wie möglich halten.
- Bei auszurichtenden Geräten den maximalen Fallweg von 20 Zentimetern nicht überschreiten.
- Sicherungsseil und Verbindungsglied passend zur maximal zu sichernden Gerätemasse auswählen.
- Verbindungsglieder vollständig schließen und gegen Selbstlösen sichern.
- Keine Seile oder Bänder aus natürlichen oder synthetischen Fasern als Sicherungselement verwenden.
- Sicherungselemente nicht knoten, verändern oder eigenmächtig reparieren.
- Nur eindeutig gekennzeichnete und für den Einsatzzweck nachgewiesene Produkte verwenden.
- Vor jedem Einsatz auf Drahtbrüche, Verformungen, beschädigte Pressungen, Korrosion und andere Auffälligkeiten kontrollieren.
- Herstellerangaben des Geräts und des Sicherungselements beachten.
Prüfung und Ablegereife
Safetys und Verbindungsglieder sollten vor jedem Einsatz einer Sichtkontrolle unterzogen werden.
Besonders zu achten ist auf:
- gebrochene oder herausstehende Drähte
- Knicke, Quetschungen oder dauerhafte Verformungen
- Korrosion oder starke Verschmutzungen
- beschädigte Kauschen und Pressverbindungen
- verbogene oder schwergängige Verbindungsglieder
- fehlende oder unleserliche Kennzeichnungen
- Schäden durch Hitze oder chemische Einwirkungen
Ein Sicherungselement, das bereits einen Absturz aufgefangen hat, darf nicht erneut verwendet werden. Gleiches gilt für sichtbar beschädigte Sicherungsseile und Verbindungsglieder.
Auffällige Teile müssen unmittelbar ausgesondert und gegen eine weitere Verwendung gesichert werden.
Was tun, wenn beim Aufbau ein Safety fehlt?
Fällt beim Aufbau auf, dass ein erforderliches Safety fehlt, darf dieser Mangel nicht ignoriert oder allein durch eine allgemeine Risikobewertung gerechtfertigt werden.
Mögliche sichere Maßnahmen sind:
- ein geeignetes Safety beschaffen und fachgerecht montieren
- das Gerät bis zur Behebung des Mangels wieder abbauen
- das Gerät so positionieren, dass durch ein Herabfallen keine Personen gefährdet werden
- eine nachgewiesene, eigensichere Befestigung entsprechend den Herstellerangaben einsetzen
Die verantwortliche Person für Veranstaltungstechnik beziehungsweise der Betreiber muss über den Mangel informiert werden. Die Veranstaltung darf in diesem Bereich erst fortgeführt werden, wenn wieder ein sicherer Zustand hergestellt wurde.
Gefährdungsbeurteilung
Eine Gefährdungsbeurteilung bleibt trotzdem ein wichtiger Bestandteil der Veranstaltungsplanung. Dabei werden unter anderem Montagehöhe, Publikumsbereiche, Umgebungsbedingungen, Gerätegewicht und mögliche Folgen eines Versagens betrachtet.
Eine einfache Risikomatrix kann helfen, Gefährdungen zu bewerten und Maßnahmen zu priorisieren:
Risiko = Eintrittswahrscheinlichkeit × Schadensausmaß
Sie darf jedoch nicht dazu verwendet werden, verbindliche Schutzmaßnahmen oder Herstelleranforderungen außer Kraft zu setzen. Die Risikobewertung bestimmt, welche Maßnahmen erforderlich sind – sie ersetzt diese Maßnahmen nicht.
Fazit
Ein Safety ist ein vergleichsweise kleines Bauteil, übernimmt im Fehlerfall jedoch eine entscheidende Aufgabe.
Damit es zuverlässig funktioniert, müssen Sicherungsseil, Verbindungsglied, Gerätesicherungspunkt und tragende Konstruktion gemeinsam für die auftretenden Kräfte geeignet sein.
Besonders wichtig sind ein möglichst kurzer Fallweg, die korrekte Befestigung, regelmäßige Kontrollen und das sofortige Aussortieren beschädigter oder bereits belasteter Sicherungselemente.
Weitere Grundlagen zu den tragenden Konstruktionen finden Sie in unserem Beitrag über Traversen.
Technik und Ablauf frühzeitig abstimmen
Wenn Sie eine Veranstaltung planen und Unterstützung bei Licht, Ton, Bühne oder Videotechnik benötigen, können wir die Anforderungen gerne gemeinsam durchgehen.
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