Der Superstoff Molton
Beitrag vom 30.03.2026 - Patrick Dehmlein
Molton ist aus der Veranstaltungstechnik kaum wegzudenken. Ob als Bühnenhintergrund, Podestverkleidung, Sichtschutz oder zur optischen Abtrennung von Bereichen: Der matte Stoff wird bei zahlreichen Veranstaltungen eingesetzt.
Molton ist jedoch nicht gleich Molton. Abhängig von Gewicht, Material, Farbe und Verarbeitung unterscheiden sich die Einsatzmöglichkeiten teilweise deutlich.
Was ist Molton?
Molton ist ein aufgerauter Stoff, der häufig aus Baumwolle oder schwer entflammbaren Kunstfasern besteht. Durch die raue und matte Oberfläche reflektiert er vergleichsweise wenig Licht.
Besonders schwarzer Molton eignet sich deshalb gut, um unruhige Hintergründe, Wände, Technik oder Unterkonstruktionen optisch in den Hintergrund treten zu lassen.
Zusätzlich kann schwerer Molton einen gewissen Einfluss auf die Raumakustik haben. Er ersetzt jedoch keine gezielt geplante akustische Behandlung.
Arten von Molton
Dekomolton
Dekomolton ist eine leichtere und günstigere Ausführung. Typische Produkte besitzen ein Flächengewicht von ungefähr 160 bis 165 Gramm pro Quadratmeter.
Durch das geringere Gewicht lässt sich Dekomolton einfach transportieren, zuschneiden und befestigen. Er eignet sich besonders für Anwendungen, bei denen keine vollständige Blick- oder Lichtabschirmung erforderlich ist.
Typische Einsatzbereiche sind:
- Podestverkleidungen
- einfache Dekorationen
- Verkleidungen auf Messen und Veranstaltungen
- kurzfristige Raumabtrennungen
- Hintergründe ohne starkes Gegenlicht
Bei Gegenlicht oder einer hellen Fläche hinter dem Stoff kann Dekomolton jedoch deutlich durchscheinend wirken.
Bühnenmolton
Bühnenmolton ist schwerer und dichter als Dekomolton. Häufig liegt das Flächengewicht bei ungefähr 300 bis 325 Gramm pro Quadratmeter.
Der Stoff wird klassisch für Bühnenhintergründe, Vorhänge, Seitenabhängungen und hochwertige Verkleidungen eingesetzt. Seine matte Oberfläche absorbiert einen Teil des auftreffenden Lichts und reduziert störende Reflexionen.
Schwarzer Bühnenmolton ist bei normaler Beleuchtung meist weitgehend blickdicht. Er ist jedoch nicht automatisch vollständig lichtdicht.
Befindet sich direkt hinter dem Stoff eine helle Leuchte, ein Fenster oder eine LED-Wand, kann auch schwerer Bühnenmolton Licht durchlassen. Bei hellen Stofffarben fällt dieser Effekt meist stärker auf.
Blockout-Stoffe
Wenn eine Fläche möglichst vollständig gegen Licht abgeschirmt werden soll, werden spezielle Blockout- beziehungsweise Verdunkelungsstoffe eingesetzt.
Diese können beispielsweise:
- besonders dicht gewebt sein
- eine zusätzliche Beschichtung besitzen
- aus mehreren Materialschichten bestehen
- eine lichtundurchlässige Mittelschicht enthalten
Solche Produkte werden teilweise als „Blockout-Molton“ angeboten, sind technisch aber nicht immer mit klassischem Bühnenmolton vergleichbar.
Sie eignen sich beispielsweise zur Verdunkelung von Räumen, zum Abschirmen rückwärtiger Beleuchtung oder als Sperrschicht hinter bedruckten Messewänden.
Blickdicht und lichtdicht
Ein wichtiger Unterschied wird häufig unterschätzt: Blickdicht bedeutet nicht automatisch lichtdicht.
Ein Stoff kann bei normaler Raumbeleuchtung den Blick auf den Bereich dahinter vollständig verhindern. Trifft jedoch starkes Licht von der Rückseite auf das Material, können Lichtpunkte, Konturen oder ganze Flächen sichtbar werden.
Für Bühnenhintergründe ohne direktes Gegenlicht reicht schwarzer Bühnenmolton häufig aus. Für eine echte Verdunkelung oder eine kontrollierte Trennung zweier unterschiedlich beleuchteter Bereiche sollte ein nachweislich lichtdichtes Material verwendet werden.
Molton als Projektionsfläche
Weißer Molton kann für einfache Licht- oder Schatteneffekte verwendet werden. Er ist jedoch nicht automatisch eine hochwertige Projektionsfläche.
Die aufgeraute Oberfläche, Falten und die Stoffstruktur können die Schärfe und Gleichmäßigkeit einer Projektion beeinträchtigen. Für anspruchsvolle Video- oder Bildprojektionen ist deshalb meist ein dafür vorgesehener Projektionsstoff beziehungsweise eine Leinwand die bessere Wahl.
Brandschutz
Beim Einsatz in Versammlungsstätten muss Molton abhängig vom Einsatzbereich häufig mindestens schwerentflammbar sein.
In Deutschland findet man dafür unter anderem die Bezeichnung B1 nach DIN 4102-1. Daneben werden zunehmend europäische Klassifizierungen nach DIN EN 13501-1 verwendet.
Entscheidend ist nicht allein eine Werbeaussage im Onlineshop, sondern ein gültiger und zum konkreten Produkt passender Nachweis.
Dieser sollte eindeutig erkennen lassen:
- welches Material geprüft wurde
- für welche Farbe und Ausführung der Nachweis gilt
- nach welcher Norm geprüft wurde
- welche Klassifizierung erreicht wurde
- ob besondere Einsatz- oder Montagebedingungen gelten
In notwendigen Fluren, notwendigen Treppenräumen und anderen Rettungswegbereichen können strengere Anforderungen gelten. Dort reicht schwerentflammbarer Molton nicht automatisch aus.
Weitere Informationen finden Sie in unserem Fachartikel Brandschutzklassen einfach erklärt .
Imprägniert oder permanent schwerentflammbar
Baumwollmolton wird häufig nachträglich mit einem flammhemmenden Mittel behandelt. Diese Behandlung kann durch Waschen, starke Feuchtigkeit, falsche Reinigung oder Alterung beeinträchtigt werden.
Der Stoff sollte deshalb nur entsprechend den Pflegehinweisen des Herstellers behandelt werden. Nach einer Reinigung oder starken Durchnässung muss geprüft werden, ob der ursprüngliche Nachweis weiterhin gilt oder eine erneute Behandlung und Prüfung erforderlich ist.
Daneben gibt es Stoffe aus permanent schwerentflammbaren Fasern. Bei diesen ist die flammhemmende Eigenschaft Bestandteil des Fasermaterials und nicht nur nachträglich aufgebracht.
Farben und ihre Wirkung
Schwarz ist die am häufigsten eingesetzte Farbe, da sie wenig Licht reflektiert und sich optisch gut in den Hintergrund einfügt.
Weitere verbreitete Farben sind:
- Weiß für helle Raum- und Gestaltungskonzepte
- Grau als neutraler Hintergrund
- Blau und Rot für dekorative Anwendungen
- Grün oder andere Sonderfarben für spezielle Produktionen
Helle Farben reflektieren deutlich mehr Licht und können dadurch selbst Teil des Lichtdesigns werden. Sie zeigen allerdings auch Falten, Verschmutzungen und durchscheinendes Gegenlicht wesentlich stärker.
Konfektionierung
Neben dem Stoff selbst ist die Konfektionierung entscheidend. Je nach Einsatz stehen unterschiedliche Lösungen zur Verfügung:
- Ösen zur Befestigung mit geeigneten Bindern
- Hohlsaum für Rohre oder Traversen
- Keder für passende Schienen- und Rahmensysteme
- Klett- und Flauschband für modulare Verkleidungen
- gesäumte Kanten für eine saubere und haltbare Ausführung
- Faltenband für gleichmäßige Vorhangfalten
Die gewählte Konfektionierung muss zum Gewicht des Stoffes, zur Größe der Fläche und zur vorgesehenen Befestigung passen.
Bei sehr großen Stoffflächen entstehen erhebliche Eigengewichte. Befestigungspunkte, Traversen, Rohre und Zubehör müssen dafür ausreichend dimensioniert sein.
Einsatzbereiche
Molton wird unter anderem eingesetzt für:
- Bühnenhintergründe
- Seiten- und Rückabhängungen
- Verkleidungen von Bühnenpodesten
- Abtrennungen von Backstage- und Technikbereichen
- Sichtschutz und Raumteilung
- Verdeckung von Kabeln und Unterkonstruktionen
- Reduzierung störender Lichtreflexionen
- einfache akustische Verbesserungen
Im Zusammenspiel mit Lichttechnik sorgt besonders schwarzer Molton für ein ruhigeres und hochwertigeres Gesamtbild.
Befestigung und Aufhängung
Molton muss so befestigt werden, dass er sich während der Veranstaltung nicht lösen oder in Verkehrsbereiche fallen kann.
Kabelbinder sind zwar schnell eingesetzt, sollten aber nur verwendet werden, wenn sie für Belastung, Einsatzdauer und Umgebungsbedingungen geeignet sind. Für wiederkehrende Aufbauten sind geeignete Vorhangbinder, Klettsysteme oder professionelle Aufhängungen häufig die bessere Lösung.
Der Stoff darf nicht an heißen Scheinwerfern, Heizgeräten oder anderen möglichen Zündquellen anliegen. Es müssen die erforderlichen Sicherheitsabstände eingehalten werden.
Auch Rettungswege, Notausgänge, Sicherheitskennzeichnungen und Feuerlöscheinrichtungen dürfen nicht verdeckt oder eingeschränkt werden.
Wie hängt Molton sauber?
Vollständig faltenfrei lässt sich ein großer Stoff bei mobilen Aufbauten nur schwer aufhängen. Ein gleichmäßiger Faltenwurf wirkt deshalb häufig besser als der Versuch, eine große Stoffbahn vollkommen glatt zu spannen.
Wichtig sind:
- eine gerade und waagerechte Aufhängung
- gleichmäßige Abstände der Befestigungspunkte
- ausreichend Stoff für kontrollierte Falten
- saubere Überlappungen zwischen mehreren Bahnen
- ein möglichst gleichmäßiger Abstand zum Boden
Lagerung, Transport und Pflege
Molton sollte sauber, trocken und vor direkter Feuchtigkeit geschützt gelagert werden.
Feucht eingepackter Stoff kann unangenehme Gerüche, Stockflecken oder Schimmel entwickeln. Nach einem Außeneinsatz oder Kontakt mit Feuchtigkeit muss er deshalb vollständig trocknen, bevor er eingelagert wird.
Beim Transport empfiehlt sich eine geschlossene, aber für die vorgesehene Lagerung geeignete Verpackung. Der Stoff sollte nicht ungeschützt über verschmutzte Böden gezogen werden.
Beim Falten oder Zusammenlegen entstehen häufig Knicke. Abhängig vom Material kann Rollen oder ein lockerer Faltenwurf für hochwertige Hintergründe die bessere Lagerungsmethode sein.
Reinigung und Pflege dürfen nur entsprechend den Herstellerangaben erfolgen, da eine falsche Behandlung sowohl das Material als auch dessen Brandschutzeigenschaften beeinträchtigen kann.
Worauf sollte man bei der Auswahl achten?
- Ist Deko-, Bühnen- oder Blockout-Material erforderlich?
- Muss der Stoff nur blickdicht oder tatsächlich lichtdicht sein?
- Welche Brandschutzklassifizierung wird verlangt?
- Passt der Nachweis exakt zum gelieferten Produkt?
- Welche Farbe unterstützt das gewünschte Lichtdesign?
- Welche Konfektionierung wird für die Aufhängung benötigt?
- Wie groß und schwer ist die vollständige Stofffläche?
- Wie wird der Stoff transportiert und gelagert?
Fazit
Molton ist ein vielseitiges Hilfsmittel, das sowohl funktionale als auch gestalterische Aufgaben übernimmt.
Dekomolton eignet sich besonders für einfache und leichte Verkleidungen. Bühnenmolton bietet eine dichtere, hochwertigere Oberfläche, ist aber nicht automatisch vollständig lichtdicht. Für echte Verdunkelungen sind spezielle Blockout-Stoffe meist besser geeignet.
Ebenso wichtig wie die Materialwahl sind der passende Brandschutznachweis, eine sichere Aufhängung und eine saubere Verarbeitung.
Richtig gewählt und ordentlich eingesetzt, verdient Molton deshalb durchaus den Titel: Superstoff der Veranstaltungstechnik.
Technik und Ablauf frühzeitig abstimmen
Wenn Sie eine Veranstaltung planen und Unterstützung bei Licht, Ton, Bühne oder Videotechnik benötigen, können wir die Anforderungen gerne gemeinsam durchgehen.
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