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Kettenzüge in der Veranstaltungstechnik

Beitrag vom 04.03.2026 – Patrick Dehmlein



Motorkettenzug


Motorkettenzüge (oft einfach „Motoren“) sind aus moderner Veranstaltungstechnik nicht mehr wegzudenken: Traversen fliegen, Lautsprecher hängen, Videowände werden positioniert. Gleichzeitig gilt: Sobald Lasten über Personen hängen oder sogar über Personen bewegt werden, sind die Anforderungen deutlich höher. In diesem Artikel geht es um die Basics und die gängigen Klassen D8, D8+ und C1.

Wichtig: Dieser Artikel ersetzt keine Gefährdungsbeurteilung und keine Herstellerangaben. Im Zweifel gilt immer: Vorgaben des Herstellers, der Location und die einschlägigen Regeln/Normen.



Welche „Arten“ von Motoren gibt es?

In der Praxis sind vor allem Elektrokettenzüge relevant. Sie unterscheiden sich grob in:

  • Tragfähigkeit (WLL) – z.B. 250 kg, 500 kg, 1.000 kg
  • Hubhöhe – z.B. 18 m, 25 m, 30 m
  • Geschwindigkeit – je nach Modell (z.B. 4 m/min, 8 m/min etc.)
  • Schutzart – relevant für Outdoor/Feuchte/Staub


D8, D8+ und C1 Kettenzüge

Die Bezeichnungen D8, D8 Plus (D8+) und C1 sind in der Veranstaltungstechnik etabliert.

D8 Kettenzüge

Ein D8-Kettenzug ist grundsätzlich ein industrieller Elektrokettenzug. Für die Veranstaltungstechnik heißt das ganz praktisch: Lasten über Personen halten oder bewegen ist mit D8 ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen nicht zulässig. Wenn die Last über Personen hängen soll, braucht es in der Regel eine zusätzliche Sicherung (z.B. „Tothängen“).

D8+ (D8 Plus) Kettenzüge

Ein D8+-Kettenzug ist so ausgelegt, dass er Lasten über Personen halten kann – ohne zusätzliche Sicherung, solange die Last nicht bewegt wird (also „statisch“ bzw. im Ruhezustand).

Wichtig für die Praxis: D8+ ist für das Halten über Personen gedacht – das Bewegen über Personen ist damit nicht automatisch abgedeckt.

C1 Kettenzüge

C1-Kettenzüge sind für das Halten und Bewegen von Lasten über Personen ausgelegt, allerdings nur unter Einhaltung der dafür vorgesehenen Anforderungen Beispielweise benötigt man für das Fahren dieser Kettenzüge ein spezielle Weiterbildung und es muss einen Totman-Schalter geben, welcher von einer Fachkraft betätigt wird. Diese Fachkraft benötigt ständigen Sichtkontakt zum Objekt und ist dafür verantwortlich, dass der Kettenzug nur fährt, wenn niemand zu Schaden kommen kann. Organisatorisch ist hierbei wichtig, dass diese Person die absolute Entscheidungsgewalt hat.



Auf was muss man achten?

1) Tragfähigkeit (WLL) ist nicht „Pi mal Daumen“

Entscheidend ist nicht nur das Gewicht der Traverse, sondern alles, was dranhängt: Lampen, Kabel, Ketten, Adapter, Rigging-Hardware, Backdrops, Banner, Medienserver-Racks etc. Dazu kommen je nach Aufbau ungünstige Winkel oder zusätzliche Kräfte (z.B. bei seitlichen Abspannungen).

2) Einsatz über Personen: Klasse und Aufbau müssen zusammenpassen

Ob D8, D8+ oder C1: Die „Klasse“ hilft nur, wenn das Gesamtsystem passt. Also: Motor, Aufhängung, Lastaufnahmemittel, Anschlagmittel, Traverse, Befestigungspunkte, Steuerung und Betriebsablauf.

3) Steuerung & Betrieb: Wer fährt wann, wie und mit welcher Sicht?

Bewegung von Lasten ist eine Gefährdung. In der Praxis wichtig:

  • klare Zuständigkeit: wer fährt
  • klare Kommunikation: wer gibt frei
  • Arbeitsbereich sichern: keine Personen unter bewegten Lasten, sofern nicht explizit dafür ausgelegt und vorgesehen
  • Ruhe bewahren: keine hektischen Korrekturen „auf den letzten Drücker“

4) Prüfungen, Zustand, Dokumentation

Motoren und deren Einsatz im Veranstaltungs-/Produktionsbetrieb sind prüfpflichtig. Dazu gehören auch passende Prüfungen der maschinentechnischen Einrichtungen und der verwendeten Trag-/Anschlagmittel.



Welche Klasse nehme ich wofür? (ganz grob)

  • D8 – gut zum Heben/Positionieren, aber über Personen nur mit zusätzlicher Sicherung
  • D8+ – wenn Lasten über Personen hängen sollen, aber nicht über Personen bewegt werden
  • C1 – wenn Lasten über Personen bewegt werden sollen (unter Einhaltung der Anforderungen an System und Betrieb)